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30.08.2019

Gynäkologische Tumore: Tipps aus der Praxis Teil 2

Bereits letzte Woche hat Christiane Rothe, Physiotherapeutin und Mitglied unserer Arbeitsgemeinschaft Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie und Proktologie, in einem ausführlichen Interview über die Nebenerkrankungen, Befundung und Behandlungsplanung bei Patientinnen mit Endometrium- und Vaginalkarzinom gesprochen. Im heutigen zweiten Teil des Interviews wird sie weitere Maßnahmen speziell für die ambulante Physiotherapie erklären.

Frau Rothe, letzte Woche hatten wir ja schon über die Wichtigkeit der ambulanten Physiotherapie gesprochen. Welche Maßnahmen/Techniken sehen Sie als besonders empfehlenswert für die Patientinnen an?

Da die Operationen eine Veränderung des Bauchkapsel stabilisierenden Systems darstellt ist eine Aktivierung dieses Systems das wichtigste Ziel! Welche Maßnahmen individuell gewählt werden müssen, ergibt der spezifische Befund. So könnte in einem Fall die Aktivierung und Koordinationsverbesserung der Bauchkapsel umgebenden Muskulatur im Vordergrund stehen, in einem anderen Fall die Verbesserung der Beweglichkeit des LWS und des Beckens. Hier ist dann zu prüfen, ob es zu einer reaktiven Tonuserhöhung der hüftbeugenden Muskulatur kam, oder die Narbenbildung am Unterbauch die Beweglichkeit reduziert. Eventuell durch die OP entstandene Verletzungen an den tiefen Nerven- und Bandstrukturen hinter Uterus und Vagina könnten evtl. verursachend wirken für die mangelnde Lubrikation und Empfindsamkeit der Vagina. Das ist bei der nachfolgenden Edukation sehr wichtig.


Angenommen eine Patientin mit länger zurückliegendem Endometriumkarzinom sucht eine Physiotherapiepraxis wegen Rückenschmerzen auf. Würden Sie den Kollegen empfehlen, die Vorgeschichte der Patientin beim Befund gesondert zu berücksichtigen?

Ja durchaus. Bei dieser Vorgeschichte wäre es günstig, wenn bei weiteren physiotherapeutischen Behandlungen die kapsulären, ligamentären und muskulären Einschränkungen der Beweglichkeit des ISG, der LWS und der Hüftgelenke bedacht werden, die in Folge der Vernarbung auftreten können. Natürlich muss man mit so einer Diagnose im Hintergrund auch immer an Inkontinenz, Lymphabfluss, Fatigue-Syndrom, Atemprobleme und an die Wechselwirkung mit der psychischen Belastung  denken. Viele Patientinnen reduzieren ihre sportliche Aktivität als Folge der Krebserkrankung oder sind verunsichert, was sie überhaupt noch machen dürfen. Auch die veränderte Sexualität spielt immer wieder eine Rolle und kann für die Patientinnen sehr belastend sein.

Ich würde daher eine manualtherapeutische Untersuchung des Beckens und der unteren LWS empfehlen und die Gleichgewichtsreaktion des Rumpfes bei stabiler und instabiler Unterstützungsfläche beobachten. Deutet die Anamnese eher Richtung Beckenbodendysfunktion, ist es wichtig, eine/n speziell fortgebildete/n Kollegin/en hinzuzuziehen. Grundsätzlich ist die positive Wirkung von Ausdauer- und Kraftsport auch während einer Chemotherapie und Bestrahlung nachgewiesen, mit einer gut angeleiteten gerätegestützten Krankengymnastik kann man also allen Patientinnen eine wertvolle Unterstützung geben.

Vielen Dank für das Interview!