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16.08.2019

Gynäkologische Tumore: Behandlungsempfehlungen des Vaginalkarzinoms

Die S2k-Leitlinie zum Vaginalkarzinom ist zuletzt im Oktober 2018 erschienen. Für PHYSIO-DEUTSCHLAND war Reina Tholen als Mandatsträgerin beteiligt. Wie bereits im ersten Artikel unserer Fachserie „Gynäkologische Tumore“ dargestellt, handelt es sich beim Vaginalkarzinom zwar um einen selten auftretenden Tumor, der jedoch einen großen Eingriff in die Lebensqualität der Patientinnen bedeutet.

Vaginalkarzinome können je nach Infiltrationsgrad eine Entfernung von großen Teilen der Scheide, sowie Teilen der Harnblase und des Darms erforderlich machen. Daher leiden die Patientinnen häufig unter genitalen Atrophien, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bis hin zu dessen Unmöglichkeit, Lymphödemen der unteren Extremität, Inkontinenz und Fatigue-Syndrom. Insbesondere das Fatigue-Syndrom muss bei Vaginalkarzinompatientinnen während der Anamnese stark berücksichtigt werden.

Dieser Verlust der Geschlechtsmerkmale bringt häufig eine Depression und Angstzustände mit sich. Im Vordergrund steht deshalb gemäß der Leitlinie eine multimodale Versorgung der Patientinnen mit ärztlichen, psychologischen, physiotherapeutischen und sportwissenschaftlichen Elementen.

Die Behandlung der Krankheitsbilder Inkontinenz, Lymphödem und Fatigue-Syndrom entsprechen denen des Endometriumkarzinoms, die sie hier noch einmal nachlesen können. Bei Vaginalkarzinomen kommt es in Folge der Operation auch immer wieder zu Vernarbungen, weshalb die Leitlinie bei Patientinnen mit Vaginalkarzinom zusätzlich die Anleitung und Durchführung einer Narbenmobilisation empfiehlt.

Auch komplementäre Therapien wurden durch die Leitlinie untersucht, dabei handelt es sich um:

  • Ernährungs- und Diätempfehlungen

  • Sport und Bewegung

  • Vitamine, Antioxidanzien und Spurenelemente

  • Sekundäre Pflanzenstoffe

Allen komplementären Therapien fehlen bislang ausreichende Studienergebnisse, um eine klare Empfehlung zu rechtfertigen. Grundsätzlich wird Patientinnen mit Vaginalkarzinom daher, wie allen Krebspatienten, eine Lebensstilanpassung mit Gewichtsreduktion und regelmäßiger sportlicher Betätigung empfohlen. Ob Vitamine und Spurenelemente, in der Diskussion befinden sich etwa Vitamin A, D, E tatsächlich protektiven Einfluss auf die Geschlechtsorgane haben, konnte nicht durch Studien belegt werden. Einem niedrigen Zink-Spiegel konnte eine Korrelation mit Vaginalkarzinomen nachgewiesen werden, ob eine Substitution therapierelevant ist, bleibt bislang allerdings unklar.