Login Mitglieder
A- A A+ Startseite Patienten‌ & Interessierte Fachkreise
17.01.2020

Hat sich die Vergütungssituation der Physiotherapeuten inzwischen verbessert?

Eine spannende Frage, die nicht pauschal beantwortet werden kann.

Fakt ist, dass die Preise für physiotherapeutische Leistungen deutlich angehoben wurden, in den vergangenen drei Jahren zusammengerechnet um ca. dreißig Prozent. Klar ist, dass sich diese Erhöhungen in den einzelnen Praxen bundesweit aber auch landesweit leistungs- und frequenzabhängig unterschiedlich ausgewirkt haben, auch unter Berücksichtigung der individuellen Kostenentwicklung der einzelnen Praxis.

Die Praxisinhaber kommen deshalb nicht umhin, die wirtschaftliche Entwicklung von Jahr zu Jahr zu prüfen, um die unternehmerischen Ziele neu zu justieren. Hierzu zählt die Beantwortung der elementaren Frage: Kann ich meine Mitarbeiter besser vergüten? Grundsätzlich ja, aber in welchem Umfang? In welcher Höhe lassen dies erfolgte Umsatzzuwächse zu? Wie haben sich parallel dazu die Praxiskosten (Fixkosten) entwickelt? Antworten hierzu können nur durch dezidierte betriebswirtschaftliche Auswertungen sowie fundierte Gehaltskalkulationen generiert werden.  

Klar ist allerdings, dass die bisherigen Verbesserungen bei Weitem nicht ausreichend sind, um die wirtschaftliche Lage der Praxen so zu, damit ein entsprechender Unternehmerlohn fließen kann und die Gehälter der angestellten Physiotherapeuten eine entsprechende Entwicklung nehmen können. Infolge des TVSG (sh. unten) werden die Verbände alle Möglichkeiten nutzen und nichts unversucht lassen, weitere Gebührenerhöhungen zum 01.07.2020 zu fordern.

Denn durch den Fachkräftemangel stehen teilweise Räume in den Praxen leer, weil Patienten wegen fehlendem Personal  nicht zur Behandlung angenommen werden können, die Kosten (Räume) bleiben aber im Verhältnis hoch. 

Höhere Vergütung führt unstrittig zu einem Attraktivitätsgewinn des Berufes und ist somit ein wirksames Instrument junge Menschen für den Beruf zu interessieren bzw. erfahrene Physiotherapeuten im Beruf zu halten, also geeignet, dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Deshalb werden die Praxisinhaber die Gehälter Ihrer Mitarbeiter entsprechend ihrer betriebswirtschaftlichen Möglichkeiten erhöhen (müssen), um die Mitarbeiterbindung zu erhöhen.

Angestellte, die neben einem Gehalt, mit dem sie ihre Familien ernähren können, ihren Beruf unter guten Arbeitsbedingungen ausüben und an der positiven Entwicklung der Praxis partizipieren, haben in aller Regel keinen Grund den Arbeitsplatz zu wechseln. 

An dieser Stelle sei nochmal erwähnt, dass der Gesetzgeber im Jahr 2017 im Rahmen des HHVG, mit dem Ziel die Versorgung zu sichern, weitere Preiserhöhungen hiervon abhängig deklariert hat. Dies wurde sodann im Vertrag nach §125 Abs. 1 SGB V als sogen. Transparenzregelung aufgenommen:

Die von einem zugelassenen Leistungserbringer angestellten Leistungserbringer sollen von den Vergütungsanhebungen in einem angemessenen Rahmen partizipieren. Die zugelassenen Leistungserbringer sollen daher vereinbarte Vergütungsanhebungen in einer angemessenen Höhe an die angestellten Leistungserbringer weitergeben.

Auswertungen des statistischen Bundesamtes und andere statistische Erhebungen werden aufzeigen, ob dies und in welchem Maße seit 2017 geschehen ist. 

Hat sich die Vergütungssituation für Sie als PhysiotherapeutIN verbessert? Wie beantworten Sie diese Frage aktuell für sich selbst?

Wir, als Berufsverband sagen: Es müssen weitere Preiserhöhungen folgen!

Das TSVG (2019) nimmt erfreulicherweise nun auch die Vertragspartner (und damit insbesondere die Kostenträger) in die Pflicht:

Die Vertragspartner haben zu beachten, dass die auszuhandelnden Preise eine leistungsgerechte und wirtschaftliche Versorgung ermöglichen. Sie haben bei der Vereinbarung der Preise für die einzelnen Leistungspositionen unter Zugrundelegung eines wirtschaftlich zu führenden Praxisbetriebes insbesondere Folgendes zu berücksichtigen:

  1. die Entwicklung der Personalkosten

  2. die Entwicklung der Sachkosten für die Leistungserbringung sowie

  3. die durchschnittlichen laufenden Kosten für den Betrieb der Heilmittelpraxis.

Die Berufsverbände im Rahmen der SHV (die andere Seite der Vertragspartner) werden deshalb innerhalb der Vergütungsverhandlungen die konkrete Berücksichtigung dieser Parameter fordern, das heißt, höhere Personal- und Sachkosten bedingen höhere Preise! 

Das WAT-Gutachten wird voraussichtlich bereits in wenigen Wochen hierzu konkrete Zahlen für das Jahr 2018 liefern, mit denen wir hoffentlich unsere Zielsetzung, weitere Vergütungs- und Einkommensverbesserungen für alle Physiotherapeuten zu erreichen, untermauern können.