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29.09.2017

PRESSEMTTEILUNG - Verbände der Physiotherapeuten tagen zum ersten Mal gemeinsam

Ziel der neuen Dachorganisation ist eine bessere Interessenvertretung und die Umsetzung gemeinsamer Projekte

Die Situation der Physiotherapeuten ist prekär. Schlechte Vergütung und hoher bürokratischer Aufwand kennzeichnen die Arbeit der Therapeuten. Der notwendige Berufsnachwuchs bleibt weg. Um die Interessen der Physiotherapeuten besser vertreten zu können, haben sich die beiden großen Verbände in der Physiotherapie auf Landesebene in einer Dachorganisation zusammen geschlossen und nun zum erstem mal eine gemeinsame Tagung für die Mitglieder organsiert.

Die großen Verbände der Physiotherapeuten, PHYSIO-DEUTSCHLAND, Landesverband Rheinland-Pfalz/Saar und der Verband Physikalische Therapie (VPT) e.V.. Landesgruppe Rheinland-Pfalz-Saar haben sich in der Dachorganisation der Heilmittelverbände (DOH-RP) e.V. zusammengeschlossen (Gemeinsam sind wir stärker!) Mit der Verbesserung des Organisationsgrades soll die Anerkennung als Interessenvertretung gestärkt und damit letztendlich eine Verbesserung der Lobbyarbeit erreicht werden. Erfahrungen haben gezeigt, dass durch gemeinsames Auftreten viel mehr erreicht werden kann.

Es ist nicht die erste gemeinsame Aktion der beiden maßgeblichen Physiotherapieverbände, die ihre Mitglieder aber erstmals gemeinsam zur Tagung am 27.09.2017 nach Kaiserslautern eingeladen haben. Mehr als 100 Therapeuten aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben teilgenommen.

Neben berufspolitischen Informationen durch Dagmar Schlaubitz (Vorstand PHYSIO-DEUTSCHLAND Rheinland-Pfalz/Saar) und Erwin Hilgert (Landesvorsitzender VPT Rheinland-Pfalz-Saar) und einem Fachvortrag von Dr. med. Harald Dinges (Chefarzt der Klinik für Orthopädie am Westpfalz-Klinikum, Kusel; Mannschaftsarzt des 1. FC Kaiserslautern) ging es um gute Argumente für die Verhandlungen mit den Krankenkassen um eine gerechte Vergütung. Durch eine kostenlose betriebswirtschaftliche Praxisanalyse und durch ein Gutachten noch fundiertere Argumente für die weiteren  Vergütungsverhandlungen zu gewinnen – ist das Ziel der Aktion „PhysioPrax“ in Zusammenarbeit mit dem Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) aus München unter der Leitung von Professor Günter Neubauer. Die Ergebnisse aus den Vorjahren, sowie erste Ergebnisse der aktuellen Erhebung der Praxen in Rheinland-Pfalz und Saarland für 2015 wurden nun in Kaiserslautern vorgestellt.

In der Physiotherapie herrscht ein starker Fachkräftemangel, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird. Grund sind u.a. Bruttolöhne für Therapeuten in Praxen von 2.000,- bis 2.000,- €, die auf die schlechte Honorierung der Leistungen durch die Krankenkassen zurück zu führen sind. Für die anstehenden Verhandlungen mit den Krankenkassen, Schieds- oder gar Gerichtsverfahren wollen sich die Verbände wappnen und haben Gutachten zur Situation der Praxen in Auftrag gegeben.

Eine Weiterentwicklung der Versorgung wollen beide Verbände – diesmal gemeinsam mit den Krankenkassen – im sog. „Modellprojekt Blankoverordnung“ testen. Hier legt der Arzt zwar immer noch Diagnose und Indikation fest, der Therapeut bestimmt aber Therapieform, Dauer und Häufigkeit. Noch nicht ausreichende Ergebnisse aus einem ersten Modellprojekt in Berlin-Brandenburg haben den Gesetzgeber veranlasst, diese Versorgungsform nun bundesweiten Modellvorhaben unterziehen zu lassen. Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz hat unlängst signalisiert, ein solches Modellprojekt unterstützen zu wollen. Michael Alles (PHYSIO-DEUTSCHLAND) stellte die ersten Überlegungen zur Umsetzung des Modellvorhabens vor.

Noch eine gute Nachricht für die Fortentwicklung der Dachorganisation im Vorfeld der Tagung: An der vorher stattfindenden Delegiertenversammlung beschloss die Dachorganisation die Aufnahme des Verband Leitender Lehrkräfte an Schulen für Physiotherapie e.V. Landesgruppe Rheinland-Pfalz (VLL RP). Der VLL hatte sich einstimmig für eine Mitgliedschat in der Dachorganisation ausgesprochen und wurde einstimmig in die DOH-RP aufgenommen. Die Dachorganisation strebt die Aufnahme weiterer Verbände aus dem Heilmittelsektor an, um so den Heilmittelbereich  insgesamt und dessen Interessenvertretung zu stärken.